Newsbeitrag

Der Flüchtling - Theateraufführungen und Podiumsgespräch
Samstag, 1. November 2014
Zu einem beeindruckenden Theatererlebnis wurden für rund 400 Schülerinnen und Schüler unserer 4. bis 8. Klassen zwei Aufführungen der Österreichischen Länderbühne im Festsaal der Arbeiterkammer Gänserndorf.

OStR Mag. Elfriede Kammerer hatte in bewährter Zusammenarbeit mit Pani Stamatopolos, dem Produktions- und Tourneeleiter, das Gastspiel der Länderbühne organisiert, auf dem Spielplan stand das Stück Der Flüchtling des österreichischen Autors Fritz Hochwälder in der Regie von Erich Martin Wolf.

In dem Drei-Personen-Stück, in dem moralische Scheinheiligkeit und politischer Opportunismus thematisiert werden, brillierten mit ihren schauspielerischen Leistungen Michael Mischinsky (als Grenzbeamter), Miriam Fontaine (als dessen Frau) und Benjamin Vanyek (als Flüchtling).

Landtagsabgeordneter René Lobner überbrachte als Ehrengast eine Grußbotschaft von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und betonte den hohen Stellenwert von Kunst und Kultur in unserem Bundesland im Allgemeinen und würdigte die von der Österreichischen Länderbühne seit vielen Jahren geleistete Kulturarbeit an Schulen im Besonderen.

Nach der zweiten Aufführung kam es noch zu einem von Mag. Christian Pribitzer moderierten Podiumsgespräch, an dem der Schauspieler Michael Mischinsky, unser Kollege Dr. Thomas Gaida, der Regionalmanager Weinviertel DI Hermann Hansy, David Himler M.A. von der Caritas und Mag. (FH) Rene Poppel vom Verein menschen.leben teilnahmen und die aktuelle Thematik des Stückes - Flucht/Migration/Verfolgung - in vielfältiger Weise erörterten und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten.

So erzählte der Schauspieler Michael Mischinsky über seinen Zugang zur Rolle des Grenzbeamten und darüber, welche Rolle das Überschreiten von Grenzen jeder Art in seinem Beruf spielt.

Dr. Thomas Gaida erläuterte die wichtigsten Erkenntnisse seiner mittlerweile auch als Buch erschienenen Dissertation Die Verfolgung der Juden im grenznahen Raum Niederösterreichs von 1938-1945. Eine Archivstudie über jüdischen Besitz, Vermögensentzug bzw. Arisierung im politischen Bezirk Gänserndorf und in den slowakischen Bezirken Skalica, Senica und Myjava.

DI Hermann Hansy, Regionalmanager des Weinviertels, berichtete über seine langjährige berufliche Tätigkeit mit grenzübergreifenden Projekten mit unseren östlichen Nachbarstaaten und welche Rolle – auch 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – die von diffusen Ängsten geprägten Grenzen im Kopf in unserem Bezirk noch spielen. Weiters erzählte DI Hansy auch über seine Patenschaft für einen afghanischen Flüchtling, den er über den gemeinnützigen Verein menschen.leben kennengelernt hatte.

David Himler, MA von der Caritas gab dem Publikum einen Überblick über die Aufgaben und Betätigungsfelder der Caritas im Bereich Asyl und Integration und kritisierte in diesem Zusammenhang die Begrifflichkeiten, mit denen in der medialen Darstellung des Themas vor allem gearbeitet werde. Dominieren würden negative, meist aus dem Wortfeld Umweltkatastrophen stammende Begriffe wie Flüchtlingslawine, Asylflut oder Flüchtlingstsunami – wodurch Ängste und Vorurteile geschürt und das Schicksal des einzelnen Menschen in den Hintergrund gerückt würde.

Mag. (FH) Rene Poppel, Leiter der betreuten Wohngemeinschaft des Vereins menschen.leben in Gänserndorf, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren betreut, stellte die Schwerpunkte seiner Arbeit und das Alltagsleben in der Wohngemeinschaft vor.
Begleitet wurde Mag. Poppel zur Veranstaltung von einigen Burschen aus der Wohngemeinschaft, die die Theateraufführung sowie das Podiumsgespräch interessiert verfolgten.

Die konzentrierte Aufmerksamkeit und das Interesse von Seiten unserer Schülerinnen und Schüler während der gesamten Veranstaltung – trotz teilweise tropischer Temperaturen in der AK – sehen wir als Bestätigung dafür an, dieses so aktuelle Thema in dieser Form aufbereitet zu haben!
— Mag. Christian Pribitzer & OStR Mag. Elfriede Kammerer