Newsbeitrag

Forschungsexpedition Azoren
Donnerstag, 5. November 2015
Für Judith Fleischmann, Schülerin unserer 6B-Klasse, ging am Ende des letzten Schuljahres ein lang gehegter Traum in Erfüllung – sie nahm für knapp zwei Wochen an einer Forschungsexpedition auf die Azoren zum Thema “Wale und Delfine” teil und wurde dafür vom regulären Unterricht freigestellt.
Judith, für die sich ihr Berufswunsch “Meeresbiologin” bereits im Alter von 8 Jahren herauskristallisiert hat, ist damit ihrem Traumberuf wieder ein Stückchen nähergekommen.
Wir haben die Sechstklässlerin zum Interview gebeten, um mehr über ihr Abenteuer “Forschungsexpedition Azoren” zu erfahren!

KLG: Judith, wie bist du auf die Idee gekommen, an einer Forschungsreise teilzunehmen?
Judith: Meine Mutter ist im Internet auf die Institut für Jugendmanagement Stiftung in Heidelberg gestoßen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit dem Förderprogramm “Master MINT” das Interesse von Jugendlichen für Naturwissenschaften, Informatik und Mathematik zu fördern und interessierte Jugendliche auf ihrem Weg zum “Nachwuchswissenschaftler” zu unterstützen. Beim Schmökern auf der Website www.Master-MINT.de ist ihr dann die Expedition “Wale und Delfine” auf die Azoren sofort ins Auge gestochen, weil sie weiß, wie sehr ich mich für dieses Thema begeistern kann.

KLG: Wie lief dann das Organisatorische ab?
Judith: Eigentlich habe ich das Ganze am Anfang gar nicht so richtig ernstgenommen, weil ich nie geglaubt hätte, dass ich genommen werde. Ich habe mir also alle Informationen auf der Website durchgelesen und habe ein Bewerbungs- und Motivationsschreiben verfasst. Gleichzeitig haben meine Eltern Frau Direktorin Zillinger über unsere Pläne informiert, die mich von Anfang an voll unterstützt und ein schulisches Empfehlungsschreiben, das die Organisation ebenfalls haben wollte, verfasst hat. Außerdem hat mir Direktorin Zillinger zugesagt, dass ich vom regulären Unterricht freigestellt werde, wenn es mit der Anmeldung klappen sollte!

KLG: Und es hat ja geklappt...!
Judith: Ja! Ich hatte eigentlich Angst, dass es zu viele Anmeldungen geben würde – aber tatsächlich wäre es fast noch daran gescheitert, dass es zu wenige waren... Aber schließlich wurde ich informiert, dass die Expedition zustandekommt und ich genommen wurde. Unter insgesamt 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war ich die einzige Österreicherin – alle anderen Jugendlichen kamen aus Deutschland.

KLG: Wie startete das “große Abenteuer”...?
Judith: Wir trafen uns mit unseren zwei Betreuern vom Institut für Jugendmanagement in Heidelberg, um uns einmal alle besser kennenzulernen. In mehreren Vorstellungsrunden besprachen wir, wie wir in den nächsten Tagen vorgehen sollten und wie alles ablaufen sollte. Und dann flogen wir frühmorgens nach Lissabon und von dort auf Pico, die Hauptinsel der Azoren. Die Azoren sind eine kleine Inselgruppe im Atlantik, der westlichste Punkt von Europa und gehören zu Portugal!

KLG: Wie schaute dein Tagesablauf auf den Azoren aus?
Judith: Die nächsten elf Tage verbrachten wir in fünf Arbeitsgruppen. Jeden Tag wechselten wir zwischen den Gruppen „Menschen, Kultur und Sprache“, „Flora und Fauna“, „Klima, Geographie und Vulkane“, dem „Medienteam“ und der für mich interessantesten Gruppe – „Wale und Delfine“!

KLG: Was waren eure Aufgaben in den Arbeitsgruppen?
Judith: Jeden Tag hatten wir als Ziel, so viele Informationen wie möglich zu sammeln. Wir befragten Leute, beobachteten Flut und Ebbe, die Tiere und die Natur. Um unsere Ergebnisse zu sammeln, füllten wir selbstgemachte Fragebögen und Tabellen aus.
Abends präsentierte dann jede Gruppe, was sie tagsüber erreicht hatte, in einer PowerPoint-Präsentation. Diese Präsentationen halfen uns nicht nur dabei zu lernen, wie man schnell Informationen in eine gute Präsentationsform bringt, sondern halfen uns auch, unser Selbstbewusstsein zu steigern und sicher vor anderen Leuten aufzutreten.

KLG: Ihr wart also viel auf der Insel unterwegs?
Judith: Ja, jeden Tag unternahmen wir etwas, fuhren über die Insel, fuhren auf das Meer hinaus oder gingen, an einem regnerischen Tag, in ein sehr interessantes Walmuseum.
Da insgesamt vierzehn Ausfahrten mit einer „Whale watching“-Crew ausgemacht waren, fuhren wir täglich bis zu zweimal aufs Meer und hielten Ausschau nach Walen und Delfinen.

KLG: Das waren wohl besondere Highlights für dich, oder?
Judith: Oh ja! Wir sahen unzählige Pottwale, Streifendelfine, Fleckendelfine, Rissodelfine und sogar Finnwale, Grindwale , Schildkröten und einen Mondfisch!
Die Crew kannte die Vorschriften für “Whale watching” und hielt sie auch sehr genau ein. Das bedeutete zwar, dass man Pottwale, die sehr still an der Oberfläche liegen, nur schwer sehen konnte, aber trotzdem konnten wir sehr gut Informationen über die Größe , Geschwindigkeit und Anzahl der Tiere sammeln.

KLG: Welche Rolle spielten eure Betreuer?
Judith: Einer unserer Begleiter, Roland, war Meeresbiologe und arbeitet im größten Delfinarium in Deutschland, in Duisburg. Die Tiere dort werden sehr gut gehalten und durch seine jahrelange, hautnahe Erfahrung mit den Tieren wusste er sehr viel und brachte uns sehr viel bei. All die Informationen über Meeressäuger, die wir gesammelt haben, nahm er auf und verwertete sie gemeinsam mit seinen bisher gesammelten Informationen. Das heißt, wir halfen ihm bei seiner Arbeit und insgesamt der Erforschung der Meeressäuger.

KLG: Das heißt, Langeweile kam während der Zeit auf den Azoren nicht wirklich auf, oder?
Judith: Nein! Selbst an den Tagen, an denen das Wetter nicht so besonders war, gab es immer eine tolle Stimmung unter uns Jugendlichen, weil alle mit so großer Begeisterung bei der Sache waren! Selbst die Ausfahrten aufs Meer, bei denen es geregnet hat und während der die See relativ rauh war, stellten eine interessante Erfahrung dar!

KLG: Du würdest also so eine Forschungsexpedition auch anderen Schülerinnen und Schülern empfehlen?
Judith: Absolut! Wer sich für Naturwissenschaften interessiert, diese Interessen vertiefen und auch in der “Praxis” etwas erleben möchte, sollte sich die Expeditionen, die auf der Seite www.Master-MINT.de angeboten werden, unbedingt näher anschauen. Es gibt zum Beispiel auch Forschungsreisen zum Nordkap, nach Australien, China oder Island und 2016 auch erstmals nach Mexiko!

KLG: Danke für das Interview und die tollen Bilder, die du uns von den Azoren mitgebracht und zur Verfügung gestellt hast!

KLG: Abschließend noch eine Frage an Direktorin Eva Zillinger: Was halten Sie von Judiths Abenteuer?
Dir. Zillinger: Ich finde es toll, wenn junge Menschen sich engagieren und dafür einsetzen, ihre Träume zu verwirklichen. Wir als Gymnasium versuchen unsere Schülerinnen und Schüler am KLG so gut es geht dabei zu unterstützen, ihre individuellen Talente zu fördern und sich ihrer eigenen Stärken bewusst zu werden.
Diese Förderung beinhaltet natürlich auch, dass wir diejenigen Schülerinnen und Schüler, deren Interessen und Stärken sich bereits besonders deutlich herauskristallisiert haben, dazu motivieren möchten und sie dabei unterstützen, an vertiefenden fachspezifischen “Pull Out”-Kursen, die zum Beispiel im Rahmen der Begabtenförderung am Semmering oder im Talentezentrum Schloss Drosendorf angeboten werden, teilzunehmen. Die Schülerinnen und Schüler, denen wir die Teilnahme an diesen Kursen ermöglichen, kommen eigentlich immer begeistert und mit positivem Feedback retour!
Solch “exotische” Fördermaßnahmen wie die Teilnahme an einer Forschungsreise auf die Azoren kommen im schulischen Alltag natürlich nicht ganz so häufig vor, aber es war für mich von Anfang an klar, dass ich Judith bei diesem “Abenteuer” unterstützen werde, so gut es geht. Wenn Schülerinnen und Schüler ähnliche Pläne haben sollten, steht meine Tür immer offen...!

KLG: Sie haben Judiths PowerPoint-Präsentation, die sie vor ihren Klassenkolleginnen und -kollegen in der 6B gehalten hat, als Gast miterlebt. Wie waren Ihre Eindrücke?
Dir. Zillinger: Ich war begeistert! Judith hat diese Präsentation auf souveräne Art und Weise gehalten und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler in den Bann gezogen! Ich freue mich sehr, dass Judith sich bereit erklärt hat, ihre Präsentation auch am Tag des Gymnasiums für unsere Besucherinnen und Besucher zu halten. In diesem Sinne kann ich nur Karl Farkas zitieren: “Schauen Sie sich das an!”

KLG: Diesen Tipp geben wir gerne an unsere Leserinnen und Leser weiter. Dankeschön!
— Mag. Christian Pribitzer