Konrad Lorenz

"Konrad Lorenz, Zoologe, Mediziner, Philosoph und Umweltschützer, hat in der Biologie des 20. Jahrhunderts die wohl tiefsten Spuren hinterlassen."
(Univ. Prof. Dr. Giorgio Celli, Univ. Bologna)


1903 wurde Konrad Lorenz als Sohn von Hofrat Dr. Adolf Lorenz, Professor für Orthopädie an der Universität Wien, und seiner Frau Emma geboren.

Nach ersten Erfolgen in der Tierhaltung mit Feuersalamandern und Entenküken begann er bereits in der Volksschule mit systematischen Beobachtungen an Kleinkrebsen.

Nach der Matura im Schottengymnasium studierte er auf Wunsch seines Vaters Medizin, zunächst an der Columbia-Universität in New York, anschließend in Wien, wo er 1928 promovierte und eine Stelle als Assistent am Anatomischen Institut annahm.

Parallel dazu verliefen seine biologischen Beobachtungen und Forschungen. Erste Entdeckungen zum Phänomen der Prägung fallen in diese Zeit.

Unmittelbar nach dem Abschluss begann er mit dem Studium der Zoologie. Die zweite Promotion folgte 1933.

Dass das Jahr 1937 zum Geburtsjahr der Ethologie werden konnte, hatte Lorenz mit einigen brillanten wissenschaftlichen Arbeiten vorbereitet!

Im Jahre 1940 wurde Konrad Lorenz als Ordinarius für Psychologie auf den Lehrstuhl Immanuel Kants nach Königsberg berufen.

Im selben Jahr entdeckte er das Kindchenschema, einen bei Tier und Mensch in gleicher Weise wirksamen Auslöser, der heute weltweit in der Werbung eingesetzt wird.

Ein Jahr später erschien seine Arbeit zur Erkenntnistheorie Kants. Sie sollte die Grundlage der Evolutionären Erkenntnislehre werden und somit ein Baustein der modernen Philosophie.

Im gleichen Jahr wurde er zum Militär eingezogen, 1944 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft. 1948 kehrte er zurück nach Altenberg, beladen mit einem auf Zementsäcken geschriebenen Manuskript zur Erkenntnistheorie und begleitet von einem zahmen Star.

Im Jahr 1950 gründete die deutsche Max-Planck-Gesellschaft für Konrad Lorenz ein Institut für Verhaltensphysiologie in Buldern/Westfalen.

1958 wurde von Otto Hahn das neue Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen (bei Starnberg) eröffnet. Dies und die dort erzielten Forschungsergebnisse sollten die Krönung des wissenschaftlichen Lebenswerkes von Konrad Lorenz werden. Seewiesen wurde zum Mekka der Ethologie, die von hier aus ihren Siegeszug in die Universitäten und Forschungsinstitute der Welt angetreten hat.

1973 emeritierte Konrad Lorenz als Direktor des Max-Planck-Instituts und kehrte ins niederösterreichische Altenberg zurück. Er übersiedelte „seine" Graugänse nach Grünau. Acht Jahre später kam es zur Gründung des Konrad-Lorenz-Instituts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit Forschungsstellen in Grünau und Altenberg.

Im selben Jahr erschien mit dem Buch "Die Rückseite des Spiegels" sein wohl wichtigstes Werk. Es hat die bereits in Königsberg aufgegriffenen Gedanken zur stammesgeschichtlichen Entwicklung unseres menschlichen Erkenntnisapparats und somit unserer kognitiven Leistungen zum Inhalt.

Weiters wurde ihm in diesem Jahr gemeinsam mit Karl von Frisch und seinem Freund Nikolaas Tinbergen der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen.

Angeregt durch das Buch "Der stumme Frühling" von Rachel Carson wurde Konrad Lorenz ein Kämpfer für die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt! Bereits 1971 war das Buch "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" erschienen, welches heftige Diskussionen auslöste.

1979 war er die Leitgestalt jenes Volksbegehrens, das die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf verhinderte!

1980 wurde die Konrad-Lorenz-Gesellschaft für Umwelt- und Verhaltenskunde mit Sitz in Göttingen und Altenberg gegründet.

Die Jahre 1984/85 fanden ihn an der Spitze jener Naturschutzbewegung, welche die Schlägerung der letzten großen Auwälder Mitteleuropas zugunsten eines Kraftwerkbaus verhindert hat! Dass die "Schlacht bei Hainburg" unblutig entschieden wurde, verdanken wir ihm und seinem Einfluss auf seine Mitstreiter. Dieser "Sieg des Umweltschutzes" erregte weltweit Aufsehen! Durch das "Konrad-Lorenz-Volksbegehren" ist es gelungen, nicht nur die Au zu retten, sondern die Voraussetzungen für die Gründung eines Nationalparks zu schaffen!

Im Jahre 1978 ist der "Altenberger Kreis" entstanden, eine interdisziplinäre Gesprächsrunde um Konrad Lorenz, Rupert Riedl, Erhard Oeser, Bernd Lötsch, Franz Wuketits und andere namhafte Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen. Bei diesen Treffen wurden Themen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen behandelt.

Konrad Lorenz ist am 27.Februar 1989 in Wien verstorben.
Sein Werk lebt in zahlreichen Wissenschaften weiter!