Landesgerichtspräsident Forsthuber am KLG

Einen ebenso prominenten wie profunden Gast konnte das Konrad Lorenz Gymnasium am vergangenen Dienstag begrüßen: Friedrich Forsthuber, Präsident des Wiener Landesgerichts für Strafsachen, sprach vor Schülerinnen und Schülern über den Themenkomplex Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat. Er rückte somit drei Grundprinzipien unserer Gesellschaft in den Mittelpunkt, die für die Bildung und Selbstbildung junger Menschen hin zu einer demokratiepolitischen Mündigkeit von größter Wichtigkeit sind. Forsthuber spannte einen rechtsgeschichtlichen Bogen von der Abschaffung der Folter unter Maria Theresia (1776) über die Revolution von 1848 im Kampf für Grundrechte und gegen den Metternich‘schen Polizeistaat bis hin zur Gegenwart.

„Demokratie braucht engagierte Demokraten
Er betonte, dass demokratische Gesellschaften keine Selbstverständlichkeit sind, sondern des Engagements mündiger Bürgerinnen und Bürger für die Demokratie bedürfen. „Ein autoritäres System, wie es etwa in Österreich 1933 mit dem Staatsstreich gegen das Parlament an die Macht kam, wurde letztlich deshalb möglich, weil wir alle, die Öffentlichkeit, nicht entschieden genug dagegen aufgestanden sind. Sind wir heute bereit, uns für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat einzusetzen?“, fragte und ermutigte zugleich der Präsident des Wiener Landesgerichts sein junges Publikum. Dabei hob Forsthuber auch die Bedeutung der unabhängigen Justiz hervor.

Größtes Gericht Österreichs
Das Landesgericht für Strafsachen Wien ist das größte ordentliche Gericht Österreichs. Mehr als 70 Richterinnen und Richter sowie über 100 Mitarbeiter in den Kanzleien sind mit rund 20.000 Verfahren pro Jahr beschäftigt. Das sind etwa ein Drittel aller Strafverfahren in Österreich. Hinzu kommen an die 100 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte mit ihren etwa 250 Mitarbeitern. An das Landesgericht ist die Justizanstalt Wien-Josefstadt angeschlossen. Friedrich Forsthuber wurde im Jahr 2010 zum damals jüngsten Präsidenten des Landesgerichts ernannt. Er setzt sich seit Jahrzehnten für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat ein, ließ zur Erinnerung an die Opfer der NS-Unrechtsjustiz ein Mahnmal errichten, arbeitete unter anderem den Schattendorf-Prozess in der Ersten Republik auf und ist Obmann des Vereins „Justizgeschichte und Rechtsstaat“.

Bildtext: Landesgerichtspräsident Friedrich Forsthuber (Mitte) mit den Geschichte-Professoren Maria Haid und Jürgen Nemec, die den Vortrag des prominenten Gastes zum Thema „Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaat“ organisierten. Foto: Neubauer

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